Copeia Abstract / MCC 2026
Cannabisarzneimittel im Kontext der Polymedikation
Cannabisarzneimittel im Kontext der Polymedikation
A. Ihlenfeld (1), A. Landschaft (2,3), G. Hirt (2), T. Herdegen (4)
Facharzt für Anästhesiologie, Berlin,
Copeia GmbH, Bergisch Gladbach,
Information Services Department, Boston Children’s Hospital, Boston, MA 02115,
Facharzt für Pharmakologie und Toxikologie, Institut für Experimentelle und Klinische Pharmakologie, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Kiel
Hintergrund: Patient:innen mit chronischen Erkrankungen befinden sich häufig in komplexen Polymedikationsregimen zur Behandlung der Grunderkrankung sowie assoziierter Begleitsymptome wie Schmerzen, Schlafstörungen, Angst, Spastik oder depressiver Symptomatik. Cannabisarzneimittel (CAM) werden zunehmend als ergänzende symptomorientierte Therapie eingesetzt.
Ziel der Behandlung ist dabei häufig weniger die kausale Therapie einer Erkrankung als vielmehr die Verbesserung von Symptomen, Funktionalität und Lebensqualität. Die Bewertung komplexer multimodaler Therapieverläufe stellt klassische randomisierte Studiendesigns vor methodische Herausforderungen.
Strukturierte Real-World-Daten ermöglichen die systematische Erfassung klinischer Versorgungssituationen, individueller Therapieverläufe sowie Veränderungen bestehender Medikationsregime im Alltag chronisch erkrankter Patient:innen.
Copeia PEP: Die Physicians Experience Platform (PEP) ist eine strukturierte Real-World-Datenbank ärztlich dokumentierter Cannabistherapien im klinischen Alltag.
Die Plattform ermöglicht die standardisierte Erfassung anonymisierter Kasuistiken mittels eines interaktiven, mehrstufigen Dokumentationssystems. Erfasst werden unter anderem:
Indikationen und Symptome
eingesetzte Cannabisarzneimittel
Begleitmedikation
Dosierungsveränderungen
Nebenwirkungen
Auswirkungen auf Lebensqualität und klinischen Gesamtzustand
Die Eingabe erfolgt ausschließlich durch Ärzt:innen über einen DocCheck-geschützten Zugang. Alle Fälle werden anhand definierter Einschlusskriterien wissenschaftlich validiert.
Studiendesign und Methoden: Retrospektive explorative Real-World-Analyse strukturierter ärztlicher Kasuistiken innerhalb der Copeia Physicians Experience Platform (PEP). Eingeschlossen wurden anonymisierte Fälle mit dokumentierter Therapie durch Cannabisarzneimittel über mindestens einen Monat. Ausgewertet wurden alle zum Analysezeitpunkt (Mai 2026) verfügbaren validierten Kasuistiken (n=405).
Der mittlere Beobachtungszeitraum zwischen dokumentiertem Therapiebeginn und Beobachtungszeitpunkt unter CAM betrug 20,8 Monate.
Alle Arzneimittel wurden auf Wirkstoffebene harmonisiert und pharmakologischen Gruppen zugeordnet. Die ärztlich dokumentierten Veränderungen der Medikation unter CAM wurden kategorisiert. Zusätzlich wurden Veränderungen einzelner Symptome, die ärztliche Einschätzung des Gesamtzustands sowie Auswirkungen auf die Lebensqualität dokumentiert.
Die Einordnung der Dosisveränderungen erfolgte durch die dokumentierenden Ärzt:innen im Rahmen der strukturierten Kasuistikerfassung. Die Auswertung erfolgte deskriptiv ohne Randomisierung oder Kontrollgruppe.
Klinische Interpretation: Die beobachteten Veränderungen sprechen für konsistente klinische Signale im Zusammenhang mit dem Einsatz von Cannabisarzneimitteln (CAM) im Alltag chronisch erkrankter Patient:innen.
Unter CAM zeigte sich eine Verschiebung hin zu niedrigeren Polymedikationsgraden sowie relevante Anpassungen symptomorientierter Begleitmedikation. Gleichzeitig blieben krankheitsspezifische Basistherapien überwiegend unverändert bestehen.
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass CAM häufig nicht als Ersatz bestehender Therapie, sondern als ergänzender Bestandteil multimodaler Behandlungskonzepte eingesetzt werden. Dabei scheinen sich Therapieeffekte weniger linear als vielmehr systemisch zu manifestieren – beispielsweise durch Veränderungen von Schlaf, Funktionalität oder allgemeinem Wohlbefinden mit nachfolgender Anpassung bestehender Medikation.
Als deskriptive Real-World-Analyse ohne Kontrollgruppe erlauben die Daten jedoch keine kausalen Rückschlüsse. Selektionsbias, Confounding durch begleitende Therapieanpassungen sowie Unterschiede in Indikation und Krankheitsverlauf können nicht ausgeschlossen werden.
Schlussfolgerung: Die vorliegenden Real-World-Daten aus PEP zeigen relevante Veränderungen bestehender Medikationsregime unter CAM im klinischen Alltag chronisch erkrankter Patient:innen.
Unter CAM zeigte sich eine Verschiebung hin zu geringeren Polymedikationsgraden sowie substanzübergreifende Anpassungen insbesondere symptomorientierter Begleitmedikation. Gleichzeitig blieben krankheitsspezifische Basistherapien überwiegend stabil, was gegen einen unspezifischen Abbau bestehender Therapie und eher für gezielte Anpassungen innerhalb multimodaler Behandlungskonzepte spricht.
Die Ergebnisse verdeutlichen die Komplexität individualisierter Therapie unter Real-World-Bedingungen und liefern explorative Hinweise auf systemische Veränderungen bestehender Medikationsregime unter CAM. Die Befunde stellen keine Wirksamkeitsnachweise dar, können jedoch als empirische Grundlage für prospektive kontrollierte Studien sowie weiterführende Real-World-Analysen dienen.
Copeia PEP: Die Physicians Experience Platform (PEP) von Copeia ist eine strukturierte Datenbank ärztlicher Kasuistiken zur Anwendung von Cannabisarzneimitteln im klinischen Alltag.
https://copeia.de/pep
If you would like to learn more about Copeia, have questions or suggestions, please contact us by email and we will get back to you as soon as possible. We look forward to hearing from you.
Your Copeia team
Copeia’s digital health solutions evolve personalised treatment of cannabis patients
Copeia combines expertise from international cannabinoid research with practical knowledge of doctors, patients, pharmacies and producers.
Copeia is a software company based in Cologne and Berlin that develops AI-based products and workflow solutions to support medical cannabis care.