Copeia Abstract / Schmerzkongress Mannheim 2026

Cannabisarzneimittel im höheren Lebensalter – Real-World-Daten aus der Physicians Experience Platform (PEP)

Cannabisarzneimittel im höheren Lebensalter – Real-World-Daten aus der Physicians Experience Platform (PEP)

A. Ihlenfeld (1,2), A. Landschaft (2,3), T. Herdegen (4)

  1. Facharzt für Anästhesiologie, Berlin,

  2. Copeia GmbH, Bergisch Gladbach,

  3. Information Services Department, Boston Children’s Hospital, Boston, MA 02115,

  4. Facharzt für Pharmakologie und Toxikologie, Institut für Experimentelle und Klinische Pharmakologie, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Kiel

Deutscher Schmerzkongress 2026 · 21.–24.10.2026 Mannheim

Hintergrund

Die Behandlung chronischer Erkrankungen im höheren Lebensalter ist durch Multimorbidität, Polymedikation und individuell unterschiedliche Symptomkonstellationen geprägt. Cannabisarzneimittel (CAM) werden zunehmend in individualisierten Therapiekonzepten eingesetzt, während Daten aus der klinischen Routineversorgung älterer Patient:innen bislang begrenzt sind.

Ziel dieser Analyse war die Beschreibung von Patientencharakteristika, Indikationen, Dosierungen, Verträglichkeit und Therapieergebnissen bei Patient:innen ab 65 Jahren anhand strukturierter ärztlicher Erfahrungsberichte.

Copeia Physicians Experience Platform (PEP)

Strukturierte Real-World-Datenbank ärztlich dokumentierter Cannabistherapien im klinischen Alltag.

Standardisierte, interaktive und mehrstufige Kasuistikerfassung mit Angaben zu Indikationen und Symptomen, eingesetzten Cannabisarzneimitteln, Begleitmedikation, Dosierung und Dosisveränderungen, Nebenwirkungen sowie Auswirkungen auf die Lebensqualität.

Die Eingabe erfolgt ausschließlich durch Ärzt:innen über einen DocCheck-geschützten Zugang. Alle Fälle werden anhand definierter Einschlusskriterien wissenschaftlich validiert.

Methoden

Für die vorliegende Analyse wurden alle bis 1. Oktober 2026 validierten Kasuistiken ausgewertet. Patient:innen im höheren Lebensalter wurden als Personen ≥65 Jahre definiert.

Erfasst wurden demografische Daten, Indikationen, Art und Dosierung der Cannabisarzneimittel, Nebenwirkungen, Veränderungen von Symptomen sowie Auswirkungen auf die Lebensqualität.

Die Veränderungen der Symptomlast wurden zusätzlich nach Indikationsbereichen stratifiziert und in einer Symptommatrix dargestellt. Die Farbintensität visualisiert das Ausmaß der dokumentierten Verbesserung des negativen Einflusses einzelner Symptome auf die Lebensqualität (Skala 0–10).

Ergebnisse

Fast ein Viertel der erfassten Patient:innen war mindestens 65 Jahre alt, überwiegend mit chronischen Schmerzen.
24,6% aller PEP-Patient:innen (n=107) waren mindestens 65 Jahre alt (Ø 74,6 ± 7,0 Jahre; 57,9% weiblich). Chronische Schmerzsyndrome (50,5%), Rückenschmerzen (13,1%) und neuropathische Schmerzen (9,3%) waren die häufigsten Behandlungsanlässe.

Behandelt wird oral und niedrig dosiert.
86,9% erhielten orale Extrakte (74,8%) oder Dronabinol (12,1%), Blüten nur 4,7%. Die mediane THC-Tagesdosis lag bei 11,1 mg (IQR 5,9–18,4 mg), meist ergänzt durch CBD (Median 7,6 mg; n=93).

Symptomveränderungen nach Indikationsbereichen
Die Symptommatrix zeigt Verbesserungen der Symptomlast über verschiedene Indikationsbereiche hinweg.
Besonders ausgeprägte Veränderungen wurden bei Schlafstörungen im Zusammenhang mit neuropathischen Schmerzen (5,7 Punkte) und Rückenschmerzen (5,1 Punkte) dokumentiert.
Bei Patient:innen mit Rückenschmerzen zeigten sich zudem deutliche Verbesserungen von innerer Unruhe (5,5 Punkte), Ängstlichkeit (5,3 Punkte) und chronifizierten Schmerzen (4,4 Punkte).
Die Ergebnisse verdeutlichen, dass die dokumentierten Veränderungen nicht ausschließlich die jeweilige primäre Schmerzsymptomatik betreffen, sondern auch weitere, die Lebensqualität beeinträchtigende Symptome umfassen.

Gut verträglich, mit positivem Effekt auf die Lebensqualität.
51,4% blieben ohne Nebenwirkungen. Die häufigsten Nebenwirkungen waren Mundtrockenheit (30,8%), Müdigkeit (25,2%) und Schwindel (18,7%), ihre Belastung nahm im Verlauf ab. Bei 95,3% dokumentierten die Ärzt:innen eine positive Auswirkung auf die Lebensqualität, bei 66,3% eine mindestens deutlich positive.

Diskussion und Schlussfolgerungen

Die bevorzugte orale Anwendung bei überwiegend niedrigen THC-Tagesdosen deutet auf einen vorsichtigen, altersangepassten Therapieansatz hin. Die dokumentierten Verbesserungen von Schlaf und psychischer Belastung zeigen, dass die Therapie über die Schmerzreduktion hinaus zur Lebensqualität beitragen kann, wobei das Ausmaß zwischen den Indikationsbereichen variiert.

Gerade bei Multimorbidität und Polymedikation sowie angesichts sturzrelevanter Nebenwirkungen wie Schwindel und Müdigkeit bleiben individuelle Dosistitration und regelmäßige Verträglichkeitskontrollen zentral. Das deskriptive Design ohne Kontrollgruppe erlaubt keine kausalen Aussagen. Die Daten liefern jedoch praxisnahe Erkenntnisse für individualisierte Behandlungskonzepte im höheren Lebensalter.

Danksagung

Die Autoren danken den Ärzt:innen, die anonymisierte Kasuistiken zur Physicians Experience Platform (PEP) der Copeia GmbH beigetragen haben, den Partnern der Plattform sowie dem Sponsor des Posters, dem Bundesverband pharmazeutischer Cannabinoidunternehmen (BPC).

PEP : Physicians Experience Platform
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